Auf Wiedersehen!

31. März 2020:

Liebe Peitingerinnen, liebe Peitinger,                                             

am Stichwahlsonntag war ich davon überzeugt, dass ich trotz meiner Niederlage mein Gemeinderatsmandat annehmen würde. Ich dachte, das sei ich den Wählerinnen und Wählern, allen Unterstützern, die mich in den letzen eineinhalb Jahren begleitet haben, und nicht zuletzt auch meiner Peitinger SPD und den Peitinger Grünen schuldig. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich das einfach nicht kann. Es fällt mir unendlich schwer mit meiner Entscheidung, nicht in den Gemeinderat zu gehen, viele Menschen zu enttäuschen. Das weiß ich und das tut mir sehr leid. Deshalb schreibe ich diese Zeilen, weil ich hoffe, dass diejenigen, die mich in diesen eineinhalb Jahren näher kennengelernt haben, meine Beweggründe nachvollziehen und akzeptieren können. Diejenigen, die mir jetzt vorwerfen werden, dass sie schon immer gewusst hätten, dass es mir nur um das Amt ginge und nicht um die Menschen, die kann ich sowieso nicht vom Gegenteil überzeugen.

Ja, ich wollte so gerne Bürgermeisterin werden und zwar in Peiting. Mein Mann und ich, wir haben uns diese schöne Marktgemeinde in einer tollen Region ausgesucht, weil es ein traumhaftes Fleckchen Erde ist. Aber viel wichtiger war uns beiden, dass wir hier sehr sympathische Menschen getroffen haben. Beim ersten Kaffee draußen vor der Bäckerei Sesar vor langer Zeit, da hat uns gleich jemand in ein nettes Gespräch verwickelt und so ging es Zug um Zug weiter. Alles war neu für uns, doch im Laufe der Zeit haben wir Peiting und die Peitingerinnen und Peitinger näher kennengelernt und sie sind uns ans Herz gewachsen. Diese Worte wähle ich mit Bedacht und sie sagen genau das aus, was ich fühle. Heute gehe ich durch Peiting und treffe immer jemanden, den ich kenne, mit dem ich einen kurzen Ratsch halte. Es ist mir zur Heimat geworden und deshalb fällt mir der Abschied sehr schwer.

Im Wahlkampf war ich viele Monate von Haustür zu Haustür unterwegs, habe viele Menschen kennengelernt und fast ausnahmslos fanden sie es positiv, dass ich mir die Mühe gemacht habe, vorbeizukommen und zuzuhören. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit. Das hat mich noch mehr davon überzeugt wie schön es wäre, hier Bürgermeisterin zu sein. In den letzten beiden Wochen, als Corona alles verändert hat, riefen mich Menschen an, die am Küchentisch saßen und diskutierten, wen sie denn nun wählen sollten. Sie wollten von mir noch zu einem für sie sehr wichtigen Thema meine Meinung wissen und dann haben sie sich entschieden, wünschten mir viel Glück.

Leider haben sich nicht genügend Peitingerinnen und Peitinger für mich entschieden. Es ist für mich nicht leicht, das zu verstehen und zu verarbeiten, denn natürlich habe ich alles gegeben, weil das Schönste am Bürgermeisteramt ist, dass man Menschen helfen kann, sie unterstützen kann. Das Vertrauen hatten leider zu wenige in mich. Da ich jetzt noch nicht weiß, wie mein Leben beruflich weitergehen wird, was mein Mann und ich in Zukunft machen werden, zu welchen neuen Ufern wir aufbrechen werden, habe ich den Entschluss gefasst, mein Amt als Gemeinderätin nicht anzutreten. Stattdessen wird Claudia Steindorf Gemeinderätin und kann sich mit voller Kraft in der neuen SPD-Fraktion für Peiting einsetzen. Und ich weiß, dass sie das tun wird. Schon im Wahlkampf hat sie das bewiesen und als echte Peitingerin wird sie sich auch schnell das nötige Vertrauen der Menschen erarbeiten. Es ist das Beste für alle, wenn ich nun zusammen mit meinem Mann in Ruhe überlegen kann, wie unsere Zukunft aussehen könnte und gleichzeitig in Peiting jemand mit viel Herzblut und großem Engagement die neue Aufgabe als Gemeinderätin angehen wird.

Ich danke allen, die mich gewählt haben, die mir ihr Vertrauen entgegengebracht haben, ich danke allen, die mich unterstützt haben, Plakate aufgehängt haben, Flyer verteilt haben, mich bei den Hausbesuchen begleitet haben, ich danke allen, die mir ihre Sorgen und Nöte mitgeteilt haben und gehofft haben, dass ich ihnen helfen kann. Das war nicht alles umsonst, das alles wird nun die SPD-Fraktion in ihrer politischen Arbeit versuchen umzusetzen. Vieles davon stand schon im Wahlprogramm und auch die anderen Parteien und Vereinigungen haben zum Teil ähnliche Inhalte wie wir SPDler. Fairness und ein gutes Miteinander waren mir und allen meinen Mitbewerbern wichtig. Jetzt kommt die Zeit, beides umzusetzen. Ich hoffe, das gelingt dem neuen Gemeinderat.

Ich werde immer gerne an die Zeit in Peiting zurückdenken. Ich habe hier neue Freunde gefunden und bin herzlich empfangen worden. Jetzt hoffe ich auf einen ähnlich angenehmen Abschied, auch wenn der Grund nicht für jeden nachvollziehbar sein wird. Ich möchte nur gerne einmal wieder auf Besuch nach Peiting zurückkommen können zu meinen Freunden und wieder Menschen treffen, mit denen ich ein nettes Gespräch führen kann, denn das ist eine Ihrer und eurer Stärken: Sympathie!

Auf Wiedersehen, Glück auf, alles Gute und gesund bleiben!

Ihre und eure

Annette Luckner